Ernährung und Demenz: ein schwieriges Kapitel

 

Tricks und Tipps zum Thema

Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt ist, dann fällt es oft schwer, ausreichend zu essen. Als Angehöriger steht man diesem Problem meist hilflos gegenüber. Es gibt durchaus Tricks und Tipps wie Sie als Angehöriger wieder die Lust auf Essen wecken können. Was Sie in jedem Fall benötigen ist viel Zeit, Geduld und eine gute Beobachtungsgabe.

 

Hier eine kleine Geschichte zum besseren Verständnis. „Küchenhilfe Schneider zur Stelle, mit Verpflegung!“ Herr Schneider besucht seinen Vater und mitgebracht hat er ihm Brot, Mettwurst und eine Flasche Bier. Der Vater greift nach der Mettwurst und isst sie aus der Hand. Das Bier möchte er nicht aus der Flasche trinken, denn das tut ein Offizier nicht, dafür verlangt er ein Glas. Er hat die meiste Zeit seines Lebens als Offizier gearbeitet und alte Gewohnheiten wurden wieder wach. Dagegen kommen die schönsten Leckerbissen nicht an.

 

Hilfreiche Tipps:


Kochen Sie die Lieblingsgerichte
Demenzkranke fühlen sich oft unsicher, da sie so vieles vergessen. Alles ist jeden Tag neu. Fragen sie nicht nach einem Essenswunsch, denn Entscheidungen fallen diesen Menschen sehr schwer. Wenn Sie ein Lieblingsgericht des Erkrankten kochen, werden bei ihm positive Erinnerungen geweckt und der Appetit und die Lust zum Essen werden gesteigert.

 

Sorgen Sie für klare Strukturen am Tisch
Ab einer gewissen Phase der Demenz kann der Erkrankte nicht mehr entscheiden, was er zuerst essen soll, Fleisch, Kartoffeln oder Salat. Ratsam ist es hier das Essen ganz normal, wie meist gewohnt, in Schüsseln zu servieren. Reichen Sie dem Kranken nacheinander kleine Portionen der Speisen. Übermäßige Vielfalt und zu große Portionen überfordern leicht.

 

Sprechen Sie alle Sinne an
Versuchen Sie, bei den Mahlzeiten angenehme Erinnerungen zu wecken. Beispielsweise der Duft von frischem Kaffee und Brötchen, das Pfeifen des Wasserkessels, das Klappern des Geschirrs beim Tischdecken, vielleicht auch noch das Reichen der Tageszeitung signalisieren: jetzt gibt es Frühstück.

 

Achten Sie auf eine angenehme Atmosphäre am Tisch
Für Demenzkranke ist es oft schwierig längere Zeit am Tisch zu sitzen. weil Hunger- und Durstgefühl nicht mehr richtig gedeutet werden können. Darum ist es wichtig dafür zu sorgen, dass am Tisch „gute Stimmung“ herrscht. Besprechen Sie keine Themen, die den Kranken ängstigen oder Stress für ihn verursachen können. Wenn er sich wohl fühlt, dann bleibt er auch länger sitzen.

 

Mit gutem Beispiel voran gehen
Lassen Sie den Erkrankten nicht alleine am Tisch sitzen, setzen Sie sich zu ihm und nehmen Sie die Mahlzeiten gemeinsam zu sich. Wenn er sieht wie Sie essen, beispielsweise den Löffel, oder das Glas zum Mund führen, hat er die Chance es Ihnen nachzumachen. Äußern Sie sich lobend über den Geschmack und prosten Sie ihm zu, das weckt sein Interesse.

 

Versuchen Sie den Geschmack anzupassen
Der Geschmackssinn verändert sich im Alter und besonders bei Demenz. In den meisten Fällen ist eine besondere Vorliebe für Süßes zu beobachten. Dieser Geschmack kann am längsten deutlich wahrgenommen werden. Versuchen Sie doch einfach mal ein wenig Zucker über die Speisen zu streuen, es ist zwar ungewöhnlich aber oft hilfreich.

 

Bieten Sie Fingerfood an
Wenn der Demenzkranke nicht mehr mit Messer und Gabel essen kann, dann machen Sie ihm kleine, mundgerechte Häppchen (Fingerfood) zurecht, die er ohne Besteck verzehren kann. Sollte sein Bewegungsdrang so groß sein, dass er keine ganze Mahlzeit am Tisch mehr durchhält, dann platzieren Sie überall dort, wo er oft vorbei kommt einen Teller mit Fingerfood. Essen im Vorbeigehen geht auch. Hauptsache es wird gegessen.

 

Achten Sie auf die Konsistenz
Sollte sich der Erkrankte beim Essen häufig verschlucken, husten oder räuspern, dann sind die Speisen oft zu flüssig. Dicken Sie z. B. Püriertes oder auch Flüssigkeiten mit einem speziellen Quellmittel aus der Apotheke an. Verzichten Sie auf Reis, der landet oft in der Luftröhre. Sollte nur noch breiige Kostform möglich sein, dann nutzen Sie die Möglichkeit die einzelnen Pürees mit Hilfe kleiner Backförmchen Und frischen Kräutern ansprechend anzurichten, denn auch jetzt isst das Auge noch mit.

 

Grundsätzliches
Reichen Sie dem Erkrankten das Essen nur dann an, wenn er wirklich nicht mehr selber essen kann. Schenken Sie ihm die nötige Zeit und für´s Kleckern, da gibt es einen Kleiderschutz. Pflegen Sie alte Gewohnheiten und lassen Sie sie zu. Sollte trotz aller Bemühungen keine ausreichende Nahrungsaufnahme möglich sein, dann können Sie mit Hilfe eines speziellen Pulvers die Speisen mit Kalorien anreichern oder zusätzlich hochkalorische Drinks anbieten.

 

Bei Fragen zu diesem Thema kontaktieren Sie uns gerne unter der Telefonnummer 02776-8030